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Gedankenfänger

  Nachdem die Freunde eine Zeit lang geritten waren, kamen sie an einem schönen, kleinen Bauernhof vorbei. Als sie anklopften, öffnete ihnen eine hübsche junge Frau. Man konnte Schissmarr trotz Vermummung ansehen, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Die Anderen mußten kichern, aber das fiel Schissmarr überhaupt nicht auf. Von hinten aus der Kammer erklang eine dumpfe Stimme: "Laß die Fremden herein Leonora!" Schissmarr war so weggetreten, daß er über die Türschwelle stolperte. Jetzt konnten sich die Anderen nicht mehr halten, sie grölten laut los. Schissmarr errötete noch mehr, als er ohne hin schon war. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, traten sie in eine gemütliche Kammer herein, überall schmückten große Teppiche die Wände. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch mit sechs Schemeln herum, auf einem von ihnen saß ein alter, aber noch stattlicher Mann. An der Wand rechts von ihnen, hingen zwei große Schwerter gekreuzt. In einer Ecke stand eine Ritterrüstung. Der alte Mann fragte Ingen, der sich gerade die Schwerter ansah, was ihr Begehr sei. Ingen bat um eine Unterkunft für die Nacht. Der Alte antwortete: "Ihr könnt in der Scheune schlafen, wenn es euch nicht stört, mit vier Anderen dort zu übernachten." Da sie nichts dagegen hatten, machten sie es sich in der Scheune bequem. Die vier Fremden waren nicht da, kamen aber bald. Es war ein kleiner junge, der Akkinu hieß, ein dunkelhäutiger mit lustigem Akzent, er hieß Naoo, ein Zauberer namens Arutileff und ein Elb namens Aldyron, der behauptete, er sei ein Elf. Sie erzählten, sie würden von einer anderen Welt kommen die Qum hieße, sie erzählten noch eine ganze Weile, aber dann wurden alle allmählich müde und legten sich hin. Am nächsten Morgen wollten die Fremden weiter ziehen. Da die Anderen keine Lust hatten mit zu gehen und Ingen aber nicht hier bleiben wollte, ging er mit den Fremden. Als sie einen Tag gewandert waren und es bereits dunkel war bemerkten sie eine Höhle die etwa 50 Meter neben ihnen im den Fels war, sie beschlossen die Nacht in der Höhle zu verbringen. Als Sie die Höhle betraten, glaubten sie ihren Augen nicht besonders Ingen konnte es kaum glauben, auf einem Lager aus Zweigen lag eine Elfe und schlief. Naoo und die Anderen fragten Ingen was dies für ein Wesen sei, Naoo fragte etwas laut, und die kleine Elfe wurde wach. Sie fuhr erschrocken zusammen, als sie den großen, schwarzen Mann mit den vielen Tätowierungen im Gesicht über sie gebeugt sah, flink ergriff sie ihren kleinen Elfenbogen und hielt ihn Naoo unter die Nase. Aldyron der Elf wie er von sich behauptete trat heran, von ihm mit offenem Mund gefolgt kam Ingen. Akkinu blieb lieber auf sicherer Distanz. Aldyron sprach in einer merkwürdigen Sprache mit der kleinen Elfe, die keiner außer Akkinu verstand. Aldyron sagte das sie keine Angst zu haben bräuchte, dann stellte er sich vor: Ich bin der Elf Aldyron. Eine Zeit lang passierte gar nichts, doch dann fing die Elfe laut zu lachen an. Keiner begriff was passiert war, nur Akkinu der verstanden hatte was die Elfe gesagt hatte und fing plötzlich auch an zu lachen, denn wie er von Ingens Freunden behalten hatte waren auf dieser Welt Elfen Elben, und diese kleine Person war wohl eine Elfe. Nachdem sich die Elfe wieder beruhigt hatte, legte sie ihren Bogen zur Seite und entschuldigte sich bei Aldyron der ziemlich beleidigt war, nun blickte Aldyron zu Akkinu herüber, der sich noch immer nicht beruhigt hatte. Akkinu verstummte augenblicklich. Nun schien der Elb zufrieden. Die Elfe bot ihnen an die Nacht in der Höhle zu verbringen, und zwar in aufrichtig gutem Süderling, die Sprache die auf Qum Gralyrisch genannt wird und die hier jeder Mensch beherrscht. Die Freunde ließen sich nicht lange bitten, da sie sehr müde waren. Am nächsten Morgen als die Freunde aufbrechen wollten, bat die Elfe mitkommen zu dürfen. Ingen der wußte das Elfen Glück bringen, willigte sofort ein. Es war ein recht schöner Tag und die Freunde waren guter Dinge. Akkinu spielte auf seiner Flöte, nur Arutileff hatte auf Grund seines Alters ein paar Probleme mit seinen Kameraden mitzuhalten. Aldyron und Eliehmina die Elfe stritten sich den ganzen Weg was ein Elf sei.
  Als es schon fast dunkel war beschlossen sie zu übernachten. Nachdem sie sich ein Reh gefangen und dies verspeist hatten legten sie sich hin. Ingen übernahm die erste Wache, Naoo die zweite, Akkinu die dritte und Aldyron die vierte und letzte. Als der Morgen schon dämmerte und Aldyron sich eigentlich sicher war, das nichts mehr passieren würde, bemerkte er das über ihm in den Bäumen zwei große, schlitzförmige, rote Augen in den Spitzen der Bäume hockten und ihn zu beobachten schienen. Als er die Anderen wecken wollte verschwanden die Augen.
  Am Morgen, als alle aufgestanden waren, berichtete er von seinem nächtlichen Erlebnis, doch seine Freunde machten sich nur über ihn lustig. Sogar Eliehmina der kleinen Elfe, die hier lebte, war nichts von einem solchem Monster oder Tier bekannt. In der nächsten Nacht, schliefen sie in einem Gasthaus.
  Aldyron schlief diese Nacht sehr schlecht, er träumte von den Augen. Er träumte, daß er durch einen dunklen Wald ging und rings um ihn herum waren diese roten Augen. Auf einmal packte ihn große Angst, ja fast schon Panik, er lief los auf eine Lichtung zu, doch er kam nicht von der Stelle. Die Augen kamen immer näher. Nun konnte er die Wesen erkennen, denen die Augen gehörten. Es waren kleine verschrumpelte Gestalten mit fahlem bleichem Gesicht, kleinen spitzen Ohren und was ihm besonders auffiel, diese Gestalten hatten keinen Mund und trotzdem Murmelten sie unentwegt. Sie schienen sich über Gedanken zu verständigen. Ihr Oberkörper war dürr. Die Arme waren lang mit langen mageren Fingern und spitzen Fingernägeln. Ihre Beine waren weiß und knochig mit regelrechten Greiffängen als Füßen. Sie grabschten und geiferten nach ihm, doch bevor sie ihn berühren konnten wachte er auf. Aus Angst seine Freunde würden ihn wieder verspotten, erzählte er nichts von seinem Traum. Beim Wirt erkundigten sie sich wo die nächst große Stadt sei. Der Wirt empfahl ihnen nach Mooskau zu gehen. Er zeigte ihnen auf der Karte wo Mooskau lag, und sagte zu ihnen das sie den Rätselwald meiden sollten. Die Freunde schon halb im Aufbruch hörten nur halb was der Wirt zu ihnen sagte. Als sie schon ziemlich lange durch‘s Gebirge gewandert waren standen sie plötzlich am Rand eines Waldes. Arutileff erinnerte sich, daß der Wirt gesagt hatte das sie den Wald meiden sollten. Aldyron schauderte, er erkannte den Wald wieder. Es war der Wald, von dem er geträumt hatte. Da die Freunde keine Lust hatten zurück zu gehen und nur Aldyron sich mit Händen und Füßen wehrte mit zu gehen, beschlossen sie weiter zu wandern. Da Aldyron Angst hatte allein zu bleiben ging er doch mit, denn er sagte sich, daß sie zu fünft mehr Chancen hätten. Die Freunde waren schon eine ganze Weile gegangen, als Arutileff sich plötzlich herumdrehte und aufschrie. Sie drehten sich alle herum und fuhren zusammen. Der Weg auf dem sie gekommen waren, war verschwunden. Als sie sich wieder nach vorne drehten fanden sie sich mitten im Wald wieder, ohne einen Weg, nur Bäume und Gestrüpp. Aldyron bekam noch mehr Angst, als er ohnehin schon hatte, dieses Gefühl kannte er, diese Angst, die in Panik überging, ja dieses Gefühl kannte er. Jetzt erkannte er den Platz, an dem sie sich befanden, es war genau die Stelle von der er geträumt hatte. Weiter vorne sah er die Lichtung und wie in seinem Traum kam er nicht von der Stelle. Jetzt erfaßte ihn die Panik, er zog seine Waffe. Dort, dort war ein Paar roter Augen, und jetzt sahen auch die Anderen diese furchteinflößenden Erscheinungen. Nun zogen sie alle ihre Waffen. Die Augen kamen näher. Mehr und mehr wurden es. Jetzt konnten die Freunde die Gestalten erkennen. Sie waren genau so wie in Aldyrons Traum. Nun würde es nicht mehr lange dauern bis sie da wären. Die Freunde beratschlagten, was zu tun sei. Aldyron erinnerte sich, daß sie nur gedanklich kommunizieren. Als die Wesen fast schon bei ihnen angekommen waren, kam Aldyron die rettende Idee. Er erklärte seinen Freunden: "Sie gebrauchen Gedanken um zu reden. Sie stehlen sich die Gedanken aus den Köpfen der Menschen. Ohne Gedanken können sie nicht überleben, Gedanken sind ihr Lebensgrundstoff. Also geben wir ihnen Gedanken." Die Freunde verstanden zuerst nicht ganz, aber dann begriffen sie. Sie dachten ab jetzt nur noch an Pest und ähnliche Krankheiten. Jetzt waren die Wesen da, von überall kamen sie her. Als der erste von ihnen einen von den Freunden berührte viel er tot um, und wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Krankheit in den Köpfen der Wesen und einer nach dem andern starb. Nach einer Weile lagen alle diesen scheußlichen Wesen tot am Boden.
  Froh, überlebt zu haben, gingen die Freunde zurück und machten noch einen Umweg.
  Ungefähr zwei Wochen später erreichten sie in Mooskau. Als sie in einer Kneipe untergekommen waren und gerade ein Bier tranken fragte Naoo Aldyron warum die Wesen gestorben seien. Aldyron erklärte ihm, daß diese Wesen sich von Gedanken ernährt haben, die Gedanken die sie aufgenommen haben setzten sie in die Tat um und deswegen starben sie.

Februar 1997 © Marc Hemmers (13 Jahre)

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