Ein lauer Tag, kein Lüftchen weht,
die Sonne brennend am Himmel steht.
Dort drüben am Hügel, so schwarz wie die Nacht,
haben sich die Heere in Stellung gebracht.
Da harren sie schweigend, die beiden Armeen.
Schwerter klirren. Wimpel wehn.
Die Männer stehn still, sie starren verbissen
in die Ferne. Es schweigt das Gewissen.
Die Haufen verharren wie ein lebend Tier.
Ein Rascheln dort, ein Scharren hier.
Es wartet geduldig, bis schließlich dann
auf ein Kommando hin es vorstürmen kann.
Keiner weiß, worum es geht
in dieser Schlacht, und warum er dort steht
um zu sterben für die Ziele
eines Menschen, der ihm mißfiele,
würde er ihn jemals sehen
und würde er nicht immer im Schatten stehen.
Niemand fragt nach dem Grunde für diese Schlacht.
Niemand hat sich einen Gedanken gemacht.
Es ist schon richtig, sagen sie, wie es scheint,
wir sind die Guten, und sie sind der Feind.
Daß dieser Feind das selbe zu denken vermag,
das erwägen sie nicht einen langen Tag.
Und schließlich zerreißt ein Horn das lange
Warten. Voran! Und keinem ist bange.
Sie eilen und laufen,
Sie rennen und raufen,
Sie schubsen und drängen,
Sie stürmen und zwängen.
Jeder will der erste sein,
Das Schlachtfeld erbebt unter ihrem Geschrein.
Dann prallen die Heere
Wie Tiere, wie Speere,
Aufeinander,
Der Schlachtruf ertönt wie ein Singen,
Als erste Schreie erklingen,
Ein bitteres Ringen.
Durchbohrt fallen Menschen
Zu Boden und werden
Von nachstürmend Mengen
Zerstampft
Ohne jedes Gefühl.
Pfeile, die fliegen,
Aus hinteren Reihen,
Sie treffen, durchbohren,
Schon tönt das Geschreien.
Es schwillt, es wird lauter,
Beherrscht nun das Feld.
Geht weiter, wird stärker,
Wird zu der Welt.
Ein bitteres Stöhnen,
Ein schmerzvoller Stich,
Die Qualen, die sind fürchterlich.
Der Mann, der leise stirbt auf dem Boden,
Ein Schwert in der Brust, als Kleidung nur Loden,
Hat alles geopfert für diese Schlacht
Und mit leeren Augen versinkt er in Nacht.
Er weiß nicht wieso, er weiß nicht warum,
Doch die Welt schweigt und bleibt stumm.
Die Namen der Toten verwehen im Wind,
Und niemand weiß,
Wofür sie gestorben sind.
September 1998 © Christoph Eikmeier